
Paradies für Hacker
Deutschland ist das meistangegriffene Land der EU und gerade Behörden geraten immer öfter ins Visier von Hackern. Wo die Herausforderungen liegen und wie sich die sensibelste Kommunikation wirklich schützen lässt.
Deutschland ist attraktiv – zumindest aus Sicht von Cyberkriminellen. Das Bundeskriminalamt zählte 2025 rund 335.000 Cybercrime-Fälle im engeren Sinne. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Der Microsoft Digital Defense Report 2025 stuft Deutschland sogar als das am häufigsten angegriffene Land der EU ein.
Immer öfter trifft es dabei auch Behörden. Allein die prorussische Gruppe NoName057(16) attackierte im vergangenen Jahr mit DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service; Überlastungsangriff durch Flut von Anfragen an System) 378 Behörden und Unternehmen. Das sind 176 Prozent mehr als im Vorjahr, ausdrücklich als Reaktion auf die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Nur ein Nachweis dafür, dass Länder ihre Konflikte längst nicht mehr nur physisch, sondern auch digital austragen.
Viele Ziele, verheerende Wirkung
In Bund, Ländern und Kommunen gibt es so viele Behörden, dass sie zusammen eine riesige Angriffsfläche bieten. Hier richten Hacker weit mehr als nur technischen Schaden an. Ransomware blockiert Akten, Fachverfahren und Kommunikation, DDoS-Attacken legen ganze Server lahm. Es entsteht Chaos und mit ihm gesellschaftlicher, medialer und politischer Druck. Ganz davon abgesehen, dass sensible Daten in die falschen Hände geraten, und die Verwaltung zentrale Aufgaben für Staat und Gesellschaft nicht mehr erfüllen kann.
Neben staatlich organisierten steigen auch die wirtschaftlich motivierten Angriffe auf Behörden. Aus demselben Grund: Die sensiblen Daten eignen sich hervorragend zur Erpressung. Und durch Ransomware-as-a-Service werden selbst Attacken von „Laien“ immer gefährlicher. Je häufiger und ausgefeilter die Angriffe also werden, desto intensiver muss der Schutz sein.
Verbesserungsbedarf auf drei Ebenen
Herausforderung eins: der Föderalismus. Zuständigkeiten verteilen sich auf Bund, Länder und Kommunen. Die Meldewege sind dadurch uneinheitlich und im Ernstfall reagiert jeder für sich. Dagegen will die Bundesregierung das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einer zentralen Anlaufstelle ausbauen. So sollen die Akteure enger kooperieren und gemeinsame Informationssysteme nutzen. Zusätzlich will die Regierung das Nationale Cyberabwehrzentrum und den Nationalen Cyber-Sicherheitsrat weiterentwickeln.
Herausforderung zwei: der aktuelle Status der Schutzmaßnahmen in Behörden. Oft fehlen selbst einfachste Vorkehrungen: regelmäßig gewartete und aktualisierte Systeme, konsequentes Patchen oder restriktive Zugänge. Diese aufzubauen, ist ein absolutes Muss für jede Behörde.
Herausforderung drei: der Faktor Mensch. Phishing-Nachrichten und Vishing-Anrufe (jemand täuscht eine andere Identität im Chat oder am Telefon vor) zählen weiterhin zu den häufigsten Einfallstoren für Ransomware-Angriffe.
Immer wissen, wer am anderen Ende der Leitung ist
Dieses Einfallstor entsteht meistens durch den Kommunikationskanal: Vishing und Phishing funktionieren, weil sich am Telefon und im Chat jeder durch manipulierte Profile als jemand anderes ausgeben kann – und der Kommunikationskanal nicht verifiziert, wer wirklich am anderen Ende ist. Diese Lücke lässt sich schließen. Bei Secusmart tun wir das mit SecuVOICE (seit kurzem auch mit integriertem Messenger). Wir identifizieren Gesprächs- und Chatpartner nicht über manipulierbare Profilangaben oder Benutzernamen, sondern über Rufnummer und kryptografischen Fingerabdruck. Wir überprüfen beides bei jeder Verbindung. Für die sensibelste Kommunikation einer Behörde heißt das: Man kann sich sicher sein, mit wem man spricht.
Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann man angegriffen wird. Wenn wir die Herausforderungen auf allen drei Ebenen meistern wollen, ist jeder einzelne von uns gefragt. Von der Regierung, die Anlauf- und Koordinationsstellen schafft, bis zum einzelnen Mitarbeiter, der sensible Infos nur über sichere Kanäle kommuniziert. Dann kann es gelingen, das Paradies für Hacker in ihren Albtraum zu verwandeln.

Christoph Erdmann, Geschäftsführer von Secusmart
