„Keine theoretischen Risiken, sondern reale Gefahren“

Im Gespräch erklärt David Wiseman, wie BlackBerry die malaysischen Regierung gegen die rasant zunehmenden Cyberangriffe in der Asien-Pazifik-Region wappnet und was Deutschland daraus lernen kann. 

 

Herr Wiseman, in Europa steigt die Zahl der Cyberangriffe Jahr für Jahr. Beobachten Sie in anderen Regionen der Welt einen ähnlichen Trend? 
Wiseman: Ja, sowohl die Zahl als auch die Komplexität der Angriffe nehmen auch in der Asien-Pazifik-Region zu. Deshalb haben BlackBerry und die malaysische Regierung vor zwei Jahren beschlossen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Zu diesem Zweck haben wir eine umfassende Vereinbarung über Software und Services unterzeichnet. 

 

Wie kam die Partnerschaft mit der malaysischen Regierung zustande? 
Wiseman: Wir hatten bereits in der Vergangenheit an mehreren Projekten in Malaysia gearbeitet – ebenso mit der kanadischen Regierung, die im Rahmen ihrer Indo-Pazifik-Strategie regionale Partner dabei unterstützt, das Bewusstsein für Cyberbedrohungen zu schärfen und ihre Abwehr zu verbessern. Es lag daher nahe, die Kräfte mit beiden Regierungen zu bündeln und statt vieler einzelner, kleiner Projekte eine umfassende Service-Vereinbarung aufzusetzen. 

 

Wie genau unterstützen Sie die Cybersicherheit in Malaysia? 
Wiseman: Wir stellen der malaysischen Regierung souveräne, vollständig abgesicherte und kontrollierte Systeme zur Verfügung – im Gegensatz zu Consumer-Lösungen, die häufig unsicher sind. Damit erhält sie Zugang zu unserem gesamten Portfolio an Sicherheitstechnologien: etwa SecuSUITE für verschlüsselte Sprache und Messaging, BlackBerry UEM für sicheres Gerätemanagement und BlackBerry AtHoc für Krisenkommunikation. BlackBerry übernimmt den technischen Betrieb, Updates und den Kundensupport. Zunächst nutzten nur die höchsten Regierungsebenen diese Lösungen. Inzwischen weitet sich der Einsatz stetig auf weitere Behörden wie Polizei, Universitäten und Ministerien aus. 

 

Wie stellen Sie sicher, dass die Nutzer die erforderlichen Kompetenzen haben, um diese Sicherheitslösungen wirksam einzusetzen? 
Wiseman: Von Beginn an war es ein zentrales Ziel, Malaysias gesamte Cybersicherheitsfähigkeiten zu stärken. Deshalb haben wir ein Cyber Security Center of Excellence (CCoE) aufgebaut, das von BlackBerry betrieben wird. Es ermöglicht uns, strukturierte Cybersicherheits-Trainings anzubieten und zugleich die Arbeit mit BlackBerry-Lösungen zu vermitteln. Wir konzentrieren uns auf zwei Hauptgruppen: Regierungsbeschäftigte und Studierende. Mit Universitäten führen wir Zertifizierungsprogramme und praxisnahe Schulungen durch. Langfristig vergrößert das den lokalen Talentpool. 

 

Sie arbeiten mit Partnern wie ISC2 und dem EC-Council zusammen, die auf die Ausbildung und Zertifizierung von Cybersicherheits-Fachkräften spezialisiert sind. Warum ist es so wichtig, Menschen ebenso zu stärken wie die Technologie? 
Wiseman: Man kann die fortschrittlichste Technologie der Welt bereitstellen. Wenn die Menschen sie nicht richtig nutzen können, ist sie nutzlos. Deshalb reichen einmalige Schulungen nicht aus. Kontinuierliche Weiterbildung ist entscheidend. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir ein Rahmenwerk geschaffen, das Kompetenzen systematisch aufbaut und langfristig sichert. 

 

Was kann Europa von Malaysia lernen? 
Wiseman: Eine der zentralen Lehren ist die Bereitschaft, neue Lösungen zu akzeptieren. Menschen halten gern an Gewohnheiten fest. In Malaysia zeigte sich jedoch: Sobald die BlackBerry-Lösungen ausgerollt waren, kamen reale Bedrohungen ans Licht, die zuvor unbemerkt geblieben waren. Den Nutzern wurde schnell klar, dass es sich nicht um abstrakte, theoretische Risiken handelte – sondern um echte Gefahren. Durch den Umstieg haben sie sich tatsächlich besser geschützt. 

 

Gibt es Ansätze aus Malaysia, die für Kunden in Deutschland oder anderswo in Europa wertvoll sein könnten? 
Wiseman: Mindestens einen Teil der kritischen Betriebsumgebungen vollständig souverän im eigenen Land zu betreiben, verschafft die notwendige Kontrolle – unabhängig von globalen Cloud-Infrastruktur-Anbietern. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ist das besonders für Kommunikationssysteme wichtig, damit sie nicht der Überwachung oder gar einer Abschaltung durch eine ausländischen Regierung ausgesetzt sind. 

 

BlackBerry hat seine regionale Zentrale in Malaysia aufgebaut und kürzlich Ausbaupläne angekündigt. Was genau planen Sie? 
Wiseman: Die Expansion hat mehrere Dimensionen. Erstens stärken wir den lokalen technischen Kundensupport. Zweitens bauen wir Vertrieb und Beratung aus, um Kunden bei der Implementierung unserer Systeme besser zu unterstützen. Und drittens vertiefen wir unser Verständnis des regionalen Marktes und der lokalen Gegebenheiten. So können wir unsere Produkte noch passgenauer ausrichten. 

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